Das Mysterium Belohnung – wie, wann und was tun, wenn nichts wirkt?

Foto: Susanne Reinke | Hundeschule Jagdfieber

Belohnungen sind das A und O im Training: Sie zeigen deinem Hund, wann er etwas richtig gemacht hat und welches Verhalten er wiederholen soll. Doch wie und wann kannst du deinen Hund belohnen? Und was tun, wenn jede Ablenkung spannender als die Belohnung ist und das Training draußen fast unmöglich wird? Im folgenden Beitrag zeigt dir Susanne Reinke, Hundetrainerin und Gründerin der Online-Hundeschule Jagdfieber, wie du diese Probleme lösen kannst. 

Belohnen, ja – aber wie? 

Vielleicht habt ihr es auch schon gehört: “Ich trainiere nicht mit Futter, weil ich möchte, dass mein Hund auch ohne Bestechung hört.” Das Vorurteil, nur Training ohne “Kekse” wäre richtig und nicht geschummelt, ist weit verbreitet. Dabei ist Futter eine tolle Belohnung, auch ohne zur Bestechung zu werden. Für Menschen, die noch am Anfang des Hundetrainings stehen, eignen sich Futterbelohnungen oft als Einstieg und auch Profis greifen darauf zurück, zum Beispiel bei der Ausbildung von Polizeihunden. Außerdem kann es dabei helfen, weniger motivierte Vierbeiner auf den Geschmack zu bringen und ihnen Spaß am Training zu verschaffen. 

Leckerlis eignen sich bei bewusstem Einsatz gut, um Hunden klar zu zeigen, dass sie etwas richtig gemacht haben. Ein Hundekeks sagt nämlich eindeutig und für deinen Hund sofort nachvollziehbar: “Was du gerade machst, ist toll!” So können auch schwierige Übungen gut gemeistert werden. Wo Worte schnell zu Verwirrung führen, vermittelt eine Futterbelohnung eine klare Botschaft. Schließlich reden wir Menschen viel und für deinen Hund ist irgendwann nicht mehr klar, ob sich in diesem Dschungel aus Gesprochenem ein Lob verbirgt und wenn ja, wo. Leckerlis können zudem eine tolle Alternative zu Körperkontakt sein, der Hunden oft viel weniger gefällt, als wir glauben. Natürlich sollte es trotzdem keine Leckerlis regnen, denn zu viel zu füttern ist mindestens genauso hinderlich im Training wie gar kein Futter zu nutzen. 

Am wichtigsten ist also, dass du dich ausreichend mit dem Thema beschäftigst und den Einsatz von Hundekeksen im Vorfeld gut planst. Du solltest in deiner Trainingsplanung zum Beispiel auf keinen Fall vergessen, Zeit für das Ausschleichen der Futterbelohnung einzuräumen, sobald dein Hund die Übung verstanden hat. Auch die Frage nach dem Was sollte nicht zu kurz kommen, denn es gibt eine Vielzahl an “Keksen”: Nicht immer muss es die fettige Fleischwurst sein, auch gesündere Leckereien wie Äpfel, Karotten, Käse, Leberwurst oder Trockenfutter können deinem Hund schmecken. 

Selbstverständlich können Belohnungen auch anders aussehen – Spiel, soziale Bestätigung oder Motivation aus der Aufgabe heraus können ebenso wirksam sein -, aber nie auf Futter zu setzen, kann bedeuten, dass eine für viele Hunde attraktive Belohnungsmöglichkeit ungenutzt bleibt. Jeder Hund ist anders und die Belohnung sollte individuell an ihn angepasst und bewusst ausgewählt werden. Folgende Fragen können dir dabei helfen: Wofür brennt mein Hund? Was begeistert ihn? Fallen dir zehn Dinge ein, mit denen du deinen Hund belohnen könntest? 

Timing ist alles

Auch mit der besten Belohnung der Welt kann euer Training nach hinten losgehen, wenn das Timing beim Belohnen nicht stimmt. Genau wie der “Keks” muss auch das Timing individuell an deinen Hund angepasst und über die Zeit vielleicht verändert werden, damit dein Vierbeiner es schnell versteht und das Training erfolgreich ist. Bei einem für deinen Hund unklaren Timing fängt er an, selbst kreativ zu werden und macht einfach, was ihm einfällt oder beschließt, ganz mit dem Training aufzuhören. 

Auch wenn das kompliziert klingt, lässt sich Timing leichter verstehen, wenn man sich bewusst macht, wie Belohnungen für Hunde funktionieren: Wenn dein Hund merkt, dass die Belohnung angefangen hat, verknüpft er diese genau mit dem, was er gerade tut. Am Anfang ist es also hilfreich, genau dann zu belohnen, wenn dein Hund anfängt, das gewünschte Verhalten zu zeigen. Danach verlagerst du den Bestätigungspunkt immer weiter nach hinten. So lernt dein Hund, dass er für ein längeres Verhalten belohnt wird und die Übung nicht schon vorher beendet ist. 

Ein Beispiel: Möchtest du mit deinem Hund das Sitz trainieren, dann belohnst du ihn anfangs dafür, dass er die Sitzposition andeutet, damit er lernt, dass das die richtige Richtung ist. Doch dabei darf es nicht bleiben, weil dein Hund sonst denkt, dass die Übung nach dem Andeuten schon beendet ist. Bestätigst du ihn immer etwas später, gibst du ihm die Möglichkeit, alles zu lernen, was zur Übung gehört. 

Doch aufgepasst! Dein Hund achtet bei Belohnungen ganz genau darauf, wann das Belohungsritual anfängt. Bereits wenn deine Hand im Futterbeutel verschwindet, denkt er “Aha, ich werde belohnt! Was ich gerade mache, muss richtig sein!” Dadurch kannst du nicht mehr genau nachvollziehen, wofür du deinen Hund in seinen Augen belohnt hast und läufst Gefahr, immer wieder zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu bestätigen. Baue deshalb ein Signal vor der Einleitung einer Belohnung ein. Das kann ein Wort oder ein Ton sein – wichtig ist nur, dass du deinem Hund so ganz klar zeigen kannst, wann du ihn belohnst. 

Gut zu merken: “Click for position, feed for action.” Mit einem Klick (oder einem anderen Signal) zeigst du ihm: “Du bist in der richtigen Position, darum startet jetzt die Belohnung für deine Handlung.” 

Wenn Belohnungen ihre Wirkung verlieren 

Die richtige Belohnungsmethode ist gefunden, du hast den Dreh mit dem Timing raus und einem erfolgreichen Training steht nichts mehr im Weg. Das dachtest du zumindest, doch plötzlich findet dein Hund die Umgebung und die Ablenkungen viel spannender als alles, was du ihm anbietest. Doch keine Sorge! Auch in solchen Situationen hast du Möglichkeiten, wieder einen Zugang zu deinem Hund zu finden. 

Situationen, die so aufregend für deinen Hund sind, dass er nicht mehr auf dich reagiert, kannst du sogar für dein Training nutzen. In solchen Momenten kannst du üben, seine Aufmerksamkeit wieder auf dich zu richten, indem du die Belohnung veränderst und verstärkst. So förderst du, dass dein Hund auch im Trubel ansprechbar bleibt. 

Um das zu trainieren, musst du nicht warten, bis eine solche Situation eintritt. Am besten übst du schon vorher und in kleinen Schritten, wenn die Reize noch weniger stark sind. Besonders gut eignet sich dafür oft die Brut- und Setzzeit, weil du deinen Hund hier sowieso an der Leine führen musst. Sollte dein Hund zu einem anderen Zeitpunkt eine Ablenkung erspähen, beginne die Übung mit dem Anleinen. Dann geht es lustig weiter, und zwar mit einem Spiel, bei dem dein Hund etwas aufmerksam verfolgt. Ein Spielzeug, Futter – alles kann funktionieren und um deinen Hund zum Mitmachen zu bewegen, sind deiner Kreativität keine Grenzen gesetzt: Du kannst etwas werfen oder in der Luft bewegen und auch schnelle Bewegungen weg von deinem Vierbeiner machen. Wenn er Interesse und Spaß am Spiel entwickelt hat, könnt ihr euch spielend immer weiter von der Ablenkung entfernen. Seid ihr weit genug entfernt, darf das Spiel wieder aufhören – allerdings sanft und ohne ein „Aus“-Signal. Nach einem schönen Ausklang geht ihr weiter – die Spannung wurde gelöst und ihr habt die Verbindung nicht verloren. 

Regelmäßig in solchen Situationen zu üben hat gleich mehrere positive Effekte: Klappt es erst einmal mit Leine, fühlst du dich in ähnlichen Momenten irgendwann auch ohne Leine wieder sicherer und verlierst nicht den Zugang zu deinem Hund, wenn er etwas Spannendes entdeckt. Von nun an bleibt er handlungsfähig und kann Ablenkungen besser widerstehen, denn er hat gelernt, auch in unruhigen Moment auf dich zu achten – selbst wenn die Ablenkung ganz nah ist. 

Fazit: Mit Belohnungen zu einem erfolgreichen Training 

Belohnungen sind ein wichtiges Tool im Training. Damit sie auch die gewünschte Wirkung erzielen, solltest du etwas finden, das deinen Hund richtig begeistert. Futter ist hierbei richtig eingesetzt eine große Hilfe. Sobald du weißt, welche Art der Belohnung am besten zu deinem Hund passt, kannst du dich dem Timing widmen, damit dein Hund versteht, wofür du ihn belohnst. Auch wenn das alles gut klappt, kann es immer passieren, dass ihr in Situationen geratet, in denen auch die beste Belohnung ihre Wirkung verliert. Hier kann dir ein Spiel helfen, die Aufmerksamkeit deines Hundes weg von Ablenkungen zu dir zurück zu lenken. Vielleicht hat dieser Beitrag dich auf eine Idee gebracht, welcher “Keks” deinem Hund besonders gut schmecken könnte – probiere ihn doch gleich in eurer nächsten Trainingssession aus!