Der Familienhund - Das Kundenmagazin der BHV-Hundeschulen

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Hunde als tierische Helfer

erschienen am 26. Oktober 2020
Foto: Robert Hell
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Mensch und Hund leben nun schon seit Jahrtausenden zusammen und meist steht in ihrer Beziehung die Rolle des Hundes als Jagdbegleiter, Herdenschützer oder Wachhund im Vordergrund. Man muss aber auch davon ausgehen, dass die soziale Kompetenz des Hundes, sein freundliches Wesen, sein hübsches Aussehen und vermutlich auch das weiche Fell in besonderer Weise zur Beziehung zwischen Mensch und Hund beigetragen haben. Heute sind Hunde mehr denn je zu sozialen Partnern des Menschen geworden, die im Alltag unterstützen oder bei Problemen vermitteln. Aus dieser besonderen Beziehung hat sich dann in den letzten 20 Jahren ein großer Markt für die hundegestützte Intervention gebildet. Hunde geben vor allem seelische Unterstützung, ermöglichen Kontakt bzw. helfen beim Aufbau von neuem (Selbst-)Vertrauen. Sie arbeiten in den verschiedensten sozialen Bereichen als Schulhunde und Besuchshunde, Therapiehunde und Assistenzhunde.
 

Je nach dem, wie der Hund konkret eingesetzt wird und bei wem er lebt, hat sich folgende Grobeinteilung bewährt:

Die tiergestützte Therapie

Bei der hundegestützten Therapie arbeiten Hunde mit ihren Therapeuten, um individuelle therapeutische Ziele und Ergebnisse mit den Klienten zu erreichen. Der Therapiehund lebt beim Therapeuten und wird im Rahmen der Hunde unterstützen Kinder auf vielen Ebenen. Sie bereichern seit Jahrtausenden die soziale Entwicklung des Menschen.Hunde unterstützen Kinder auf vielen Ebenen. Sie bereichern seit Jahrtausenden die soziale Entwicklung des Menschen. Foto: Robert HellTherapiestunde eingesetzt. Er kann z. B. in der Physiotherapie zur Verbesserung der Grob- und Feinmotorik eingesetzt werden, indem er Kinder für Bewegungen motiviert.

Ein Hund beim Logopäden kann Kinder mit Sprachproblemen motivieren, sich auszudrücken. Der Hund des Psychologen baut Brücken zu den Klienten, schafft Vertrauen und kann dadurch helfen, schlimme Erlebnisse besser zu verarbeiten. Der Hund kann einfach nur als seelische Stütze dabei sein oder gezielt kleine Aufgaben im Rahmen der Therapie erfüllen, Die Ausbildung von Therapiehunden können Therapeuten in Deutschland vor allem bei privaten Anbietern absolvieren. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen des Klienten ist oftmals problemlos möglich.

Die tiergestützte Pädagogik

Wie der Name schon sagt, sind die Halter des Hundes Pädagogen aus verschiedenen Bereichen. Schul(Präsenz)hunde sind regelmäßig im Unterricht anwesend und können vom Lehrpersonal im Sinne der tiergestützten Pädagogik im Unterricht eingesetzt werden. Oft sind sie aber auch nur anwesend und tragen damit wesentlich zu einer positiven Lernatmosphäre bei.

Im Kindergarten stärken sie soziale Kompetenzen und Verantwortungsbewusstsein. In der Heilpädagogik ermöglichen sie oftmals Kontakt und motivieren ebenso wie in der Sozialarbeit auf der Straße. Die Übergänge zur Arbeit eines Therapiehundes sind hier durchaus fließend.

Verhaltensbeobachtungen an Schulkindern haben gezeigt, dass Hunde sich positiv auf das Verhalten von Kindern auswirken. Sehr offensive, laute Kinder nehmen sich mehr zurück, während defensive, leise Kinder mehr aus sich herausgehen und sich aktiver am sozialen Leben in der Klasse beteiligen. Hunde wirken deeskalierend und helfen, Konflikte schon im Vorfeld abzufangen. Neben diesen spannenden Ergebnissen kommt auch dazu, dass die Lehrpersonen durch die Hunde attraktiver werden, die Kinder dem Unterricht interessierter folgen und sich insgesamt auch besser konzentrieren können.

Schulhunde bzw. deren pädagogisch ausgebildete HalterInnen können seit 2019 das Zertifikat einer öffentlich-rechtlichen Kammer theoretisch bei der IHK erwerben und lernen die Praxis in den Partnerbetrieben des Berufsverbandes der Hundeerzieher und Verhaltensberater e.V..

Der Einsatz von Hunden in der sozialen Arbeit muss mit den entsprechenden Trägern abgestimmt und vereinbart werden. Eine Kostenübernahme ist hier vorwiegend im privaten Rahmen möglich.


Weitere tiergestützte Aktivitäten

Wenn Menschen mit Hunden ins Altenheim oder in Behinderteneinrichtungen gehen, kranke Menschen im Krankenhaus oder Hospiz besuchen, dann fällt das unter die weiteren tiergestützten Aktivitäten.

Besuchshunde werden meist von ihren Besitzern unter Anleitung eines Trainers ausgebildet und von Fachpersonal oder auch von ehrenamtlich tätigen Personen in verschiedenen Institutionen eingesetzt. Damit soll z. B. pflegebedürftigen Menschen sozialer Kontakt oder Abwechslung im Alltag ermöglicht werden. Besuchshunde kommen auch in Schulen zum Einsatz, um Kindern den richtigen Umgang mit Hunden zu vermitteln. Auch dann werden sie oft als Schulhunde bezeichnet.
 
Die Kosten werden von den Ehrenamtlern selbst übernommen oder sind durch Vereine gesponsert.


Assistenz- und Servicehunde

Parallel zu den Hunden, die als Besuchs- und Therapiehunde eingesetzt werden, gibt es seit langer Zeit die Assistenzhunde. Diese Hunde leben bei und mit Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Einschränkungen. Ihre Arbeit ist, ihren Menschen bei alltäglichen Verrichtungen zu helfen. Sie können Türen öffnen und Wege zeigen, Dinge aufheben und Medikamente bringen.

Sie werden so ausgesucht und ausgebildet, dass sie in der Lage sind, einen Menschen mit Behinderung zu unterstützen. Die Ausbildung erfolgt meist von spezialisierten Trainern, die den fertig ausgebildeten Hund dann an einen Menschen mit Behinderung weitergeben oder mit diesen gemeinsam ausbilden. Die häufigsten und bekanntesten Formen von Assistenzhunden sind Blindenführhunde, aber auch Signal-, Diabetiker- oder Epilepsiewarnhunde.
 
Die Ausbildung dieser Hunde kann von Krankenkassen übernommen werden, ist aber oft individuell zu prüfen.
 

Wie kommt der Hund zu seinem Job?

Es ist also gar nicht so einfach, die vielfältigen Begriffe und Anwendungen zu ordnen und voneinander zu unterscheiden. Was diese Hunde aber alle gemeinsam haben, ist, dass sie eine spezielle Ausbildung entweder durch einen versierten Trainer oder den eigenen Besitzer brauchen und eine entsprechende Überprüfung, die einerseits gewährleistet, dass diese Hunde für die Menschen, mit denen sie arbeiten, nicht gefährlich sind und dass anderseits diese Arbeit nicht zu Lasten des Hundes geht.

Bis auf das Zertifikat der IHK als öffentlich-rechtliche Kammer wird die Ausbildung von Hunden in tiergestützten Interventionen vor allem durch Privatpersonen und Vereine angeboten. Dementsprechend unterschiedlich sind sowohl die Methoden als auch die Qualitäten des Trainings. In Österreich wurde seit 2015 das Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Vienna mit der Durchführung der Therapiebegleithundeprüfung beauftragt. Eine Prüfstelle wurde eingerichtet und jeder Hund, der im Therapiebereich eingesetzt wird, muss diese Prüfung durchlaufen.

Dies gewährleistet zumindest einen Mindeststandard, den die eingesetzten Hunde erfüllen müssen, und das wäre auch für Deutschland zu wünschen.

In Deutschland haben sich verschiedene Vereine und Verbände auf die Ausbildung dieser Hunde spezialisiert und bieten zum Teil sehr verschiedene Zugänge und Möglichkeiten an. Eine allgemeingültige Prüfung gibt es bisher leider nicht.

Die richtige Schule für sich und den Hund zu finden, ist entsprechend nicht immer leicht. Als ein Qualitätskriterium kann sicherlich genannt werden, dass vor allem das Wohl des Hundes im Vordergrund stehen muss. Je nach Arbeitsauftrag hat der Hund einen seelisch sehr anspruchsvollen Job, dem er möglichst lange gerecht werden soll. Es muss daher klar definiert sein, wie viele Pausen der Hund bekommt, wo und dass er sich zurückziehen kann. Das Lernen der hündischen Sprache muss in der Ausbildung einen großen Anteil haben und auch Wissen über Stress und Krankheiten beim Hund muss intensiv gelehrt werden.

Der Hund muss als individuelles Wesen mit all seinen Bedürfnissen und Emotionen wahrgenommen werden. Dazu gehört auch, sicher entscheiden zu können, wann ein Hund für die Arbeit nicht oder nicht mehr geeignet ist, und ihm dann dennoch ein sicheres Zuhause zu bieten. Nicht zuletzt muss der Hund als Hund und nicht als Kuscheltier oder gar Arbeitsmittel verstanden werden. Das zeigt aber auch, wie wichtig es ist, dass nicht nur der Hund, sondern auch die Menschen eine gediegene Ausbildung erhalten.
 

Was Hunde können

In vielen Studien wurden die Vorteile von Hunden als soziale Begleiter, egal in welchem Job oder auch nur als Familienhund, herausgearbeitet. Sie sollen u. a. die körperliche und seelische Gesundheit von Kindern verbessern, steigern die Motivation zur Mitarbeit in Schule und Therapien u nd senken d as Risiko von Kindern, z. B. später an Neurodermitis zu erkranken.

Unabhängig von der Gesundheit von Kindern wurde auch nachgewiesen, dass die Verantwortung für den Hund Kinder selbstbewusster werden lässt. Das Selbstwertgefühl der Kinder nimmt zu und sie treten sozial kompetenter auf. Der Umgang mit dem Hund macht Kinder empathischer, er erhöht die Fähigkeit des Kindes, sich in andere Lebewesen hineinzuversetzen beziehungsweise mit anderen Lebewesen mitzuempfinden. Dadurch werden auch die Interaktion und die Kommunikation der Kinder mit an-deren Menschen kompetenter. Das alles beruht letztendlich auf der direkten, unmissverständlichen und ehrlichen Kommunikation der Hunde mit uns Menschen.
 

Jedes Kind braucht einen Hund

Prinzipiell sollte eigentlich jedes Kind mit einem Hund aufwachsen, weil die vielfältigen Effekte der Hunde Kinder in ihrer Entwicklung positiv beeinflussen.

Hunde geben Selbstvertrauen und soziale Unterstützung. Vor allem dann, wenn der Hund tatsächlich eng mit dem Kind zusammenlebt.

Man weiß, dass Streicheln sowohl beim Tier als auch beim Menschen den Herzschlag und damit den Stress reduziert. Kinder können dadurch aufregende oder angsterregende Situationen besser, wenn nicht sogar mit Bravour bewältigen. Auch das ist wissenschaftlich untersucht und bewiesen und doch noch viel eindrücklicher, wenn man erlebt, wie ein Schüler, der schwer lernt, sich dazu durchringen kann, ein Referat vor der ganzen Klasse zu halten und das sogar auf Englisch. Das alles geht allerdings nur, weil zu seinen Füßen ein Hund liegt, der ihm die Sicherheit gibt, dass er das schafft.

Letztendlich helfen die Hunde Kindern, die von Menschen enttäuscht wurden, wieder Beziehungen aufzubauen und dem Partner in der Beziehung zu vertrauen. Über das Vertrauen zum Hund kommt auch wieder das Vertrauen zum Menschen. Über das unmittelbare Feedback der Hunde lernen Kinder, sich in die Hunde hineinzuversetzen. Damit lernen sie auch, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Diese Funktion des Hundes als Brückenbauer hat der Begründer der modernen tiergestützten Therapie, Boris Levinson, in den 1960er Jahren genutzt, um Zugang zu einem Jungen zu bekommen, der monatelang eine Kommunikation verweigert hat. Das gemeinsame Thema Hund hat so ein Gespräch zwischen den beiden ermöglicht und den Startschuss in die Therapie gegeben.
 

Therapiehunde sind kein Allheilmittel

Bei den vielen tollen Effekten, die Hunde auf Menschen und besonders auf Kinder haben, ist der Therapiehund allerdings kein Allheilmittel. Auch der Mensch muss auf den Hund ansprechen. Es gibt Menschen, die mit Hunden nichts am Hut haben oder vor ihnen sogar große Angst haben. In solchen Fällen gibt es natürlich auch viele andere Möglichkeiten der Förderung und Hilfe. Auch diverse Allergien können ein Ausschlusskriterium sein, das im Sinne der Gesundheit des Menschen einen Einsatz des Therapiehundes verbietet.

Vor allem sind Hunde in der tiergestützten Intervention immer noch individuelle Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen. Auch sie nehmen Anteil und müssen Situationen verarbeiten können. Nicht jeder Hund ist jeder Situation gewachsen und nicht jede Situation kann überhaupt von einem Hund aufgefangen werden.

Mit der tiergestützten Intervention und den Hunden als Begleiter haben wir Menschen eine großartige Hilfe an die Hand bekommen. Gleichzeitig aber auch eine große Verantwortung für ein Lebewesen, für das wir verantwortlich sind und das ebenso Beachtung, Aufsicht und Hilfe benötigt.
 

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Leopold Slotta-Bachmayr
Foto: privat

Zur Person

Leopold Slotta-Bachmayr ist promovierter Zoologe und im Vorstand des Vereins „CaniCus – Canis therapeuticus“ der Therapiehundeausbildung. Zudem ist er Hundeführer und Sanitäter beim Roten Kreuz und dort bei der Sondereinheit „Suchhunde“. Er ist Referent für den Schulhundlehrgang des BHV e.V. und Gutachter für Hundehaltung und Hundetraining in Österreich.

Ariane Ullrich
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Zur Person

Ariane Ullrich ist studierte Verhaltensbiologin, Buchautorin, Referentin und Prüferin für die Weiterbildung zum Hundeerzieher/in und Verhaltensberater/in IHK. Sie lebt in Brandenburg bei Berlin und betreibt die Hundeschule und den Buchverlag MenschHund!, ein Seminarzentrum und einen Onlineshop.

Kontakt

www.mensch-hund-lernen.de

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BHV
Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e.V.
Alt Langenhain 22
65719 Hofheim

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